Am heutigen Donnerstag läuft „Adams Acht“ in den Kinos an. Erzählt wird die Geschichte des „Ruderprofessors“ Karl Adam und des sensationellen Siegs, den der Deutschland-Achter bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom einfuhr.
Wir veröffentlichen gekürzt einen Gastbeitrag von Ralf Gentz und Daniel Drege. Gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern des Ruder-Clubs Allemannia sind sie bei den Dreharbeiten als Gegner des Deutschland-Achters angetreten. Der Beitrag ist zuvor in der Vereinszeitschrift „Alsterspiegel“ erschienen.
Ein Wochenende wie eine Zeitreise
Im August 2025 begannen in Ratzeburg die Dreharbeiten unter Regisseur Hannu Salonen. Idee und Umsetzung kamen von Rainer Kleinschmidt, ehemaliger Ruder-Bundestrainer und Leiter der Ruderakademie Ratzeburg, und Produzent Ivo-Alexander Beck aus Berlin. Für die Ruderszenen waren zahlreiche Ruderer als Statisten nötig. Die Rennszenen sollten so echt wie möglich aussehen. Unsere Aufgabe war klar: Wir sollten dafür sorgen, dass der Deutschland-Achter auf dem Weg zu seinem Olympiasieg auch ordentlich filmische Konkurrenz bekam.
Ralf Gentz und Jonas Düse gingen als tschechoslowakische Ruderer an den Start, Safa Cuny ruderte für Frankreich und Leon Evers im Team Kanada. Ein weiterer Allemanne vervollständigte unsere kleine Vereinsdelegation: Daniel Drege durfte doppelt starten und saß sowohl für Kanada als auch für die CSSR im Boot.
Für Leon gab es zudem ein ganz persönliches Wiedersehen: Gemeinsam mit seinem ehemaligen Ruderpartner Lauritz Schoof konnte er auf den Spuren ihrer eigenen erfolgreichen Ruderkarriere Teil dieser außergewöhnlichen Filmproduktion sein.
Mehr als nur ein Ruderfilm
Wer nun einen Film erwartet, in dem es ausschließlich um Boote, Training und Rennen geht, wird überrascht sein. „Adams Acht“ erzählt die Geschichte auch vor dem politischen und gesellschaftlichen Hintergrund der damaligen Zeit.
Deutschland war 1960 bereits in Ost- und Westdeutschland geteilt, im internationalen Rudersport trat man jedoch noch als eine deutsche Nation auf. Diese besondere und widersprüchliche Situation bildet einen wichtigen historischen Hintergrund des Films.
Die Person Karl Adam wird nicht nur als erfolgreicher Trainer dargestellt. Seine Arbeit und seine Persönlichkeit werden im historischen Kontext seiner Vergangenheit betrachtet – einschließlich seiner früheren Zugehörigkeit zur SA und NSDAP. Damit versucht der Film, den Menschen Karl Adam und sein Wirken nicht losgelöst von der Geschichte seiner Zeit zu erzählen.
Kamera ab! Viele Stunden im Boot – und das bei brütender Hitze
Für uns als „olympische Ruderer“ war es eine Zeitreise. Der Küchensee stellte die Kulisse des Lago Albano in Italien dar, auf dem die olympischen Rennen 1960 ausgetragen wurden. Der See wurde zum Namensgeber für das neue Bojensystem, das wir heute noch unter „Albano-System“ auf jeder Regattastrecke kennen.
Wir haben die ersten vier Drehtage des Films erlebt. Etwa sechs Stunden täglich verbrachten wir bei brütender Hitze auf dem Wasser – verteilt über drei bis vier Einheiten, auf den Holzsitzen der historischen Boote. Für den Film durfte am ersten Drehtag kein anderer Sonnenschutz an Bord als Lichtschutzfaktor 50 auf der Haut sein. Ab dem zweiten Drehtag konnten wir dann in den ständigen Drehpausen schwarze Regenschirme als Sonnenschutz einsetzen. Die Sonne strahlte ermüdend. Die Achter sahen mit den aufgespannten Regenschirmen lustig aus!
Wenn dann das Kommando „Action!“ oder „Turn over“ kam, war allerdings Schluss mit der Schattenpause. Dann wurde gerudert – und zwar richtig. Unser Ruderernaturell ließ gar nichts anderes zu: volle Kraft, voller Einsatz und voller Enthusiasmus. Das hatte allerdings auch einen kleinen Haken: Eine Filmaufnahme wird nicht nach dem ersten gelungenen Durchgang abgehakt. Sie wird wiederholt. Und wiederholt. Und wiederholt.
Für die Kameras muss schließlich alles perfekt aussehen und der Regisseur die Auswahl haben. Für uns bedeutete das: noch ein Sprint. A propos Kameras: Die gab es praktisch überall, mit einem großen Schwenkkran auf einem DLRG-Boot und so fetten Wellen, dass wir beim allerersten Take beinahe versenkt wurden. In der Luft und sogar unter Wasser wurden außerdem Kameradrohnen eingesetzt.

Team und Trainer im Film vor dem Ratzeburger Ruderclub, der für die Dreharbeiten in seinen Zustand in den 1960er-Jahren zurückversetzt wurde.
Wir mussten etwas Verständnis dafür entwickeln, dass die Filmschaffenden nicht immer ermessen konnten, wie anstrengend „noch einmal bitte“ nach dem zehnten Mal sein kann. Und am Ende des ersten Drehtages kam dann noch als Überraschung der tschechische Tontechniker (mindestens 120 Kilogramm!) mit je einem Wuschelmikrofon rechts und links in der Hand ins Boot, dafür war zeitgleich natürlich ein Ruderer weniger an Bord – und dann hieß es: „Wir nehmen jetzt die Sprints und den Endspurt nochmal auf Tonspur auf.“ Zu siebt und mit Ballast – na vielen Dank! Immerhin war der Tontechniker nachher der größte Fan des „CSSR-Achters“.
Alte Holzachter – Rudern mit eingebautem Trainingsreiz
Wunderschön anzusehen waren die historischen Holzachter. Wer moderne Rennboote gewohnt ist, merkt schnell: Diese Boote haben ihren ganz eigenen Charakter. Sie sind schwerer, reagieren anders und verlangen deutlich mehr Arbeit. Einige von uns fühlten sich dadurch unmittelbar in ihre eigene Leistungssportzeit zurückversetzt. Andere bekamen einen Eindruck davon, unter welchen Bedingungen die Ruderer der damaligen Zeit tatsächlich trainierten und Rennen fuhren. Und spätestens nach einigen harten Durchgängen war klar: Die Jungs von 1960 haben sich ihr Olympiagold wirklich verdient.
Dass diese historischen Boote überhaupt auf dem Wasser eingesetzt werden konnten, ist u.a. dem in der Ruderszene bestens bekannten Lingolf von Lingelsheim zu verdanken. Er hatte alte Achter in Europa aufgetrieben und mit großem Aufwand wieder für die Dreharbeiten herrichten lassen.
Das Motorboot, das plötzlich wieder Geschichte schreibt
Auch das originale Motorboot von Karl Adam wurde wieder hergerichtet und in den Film eingebunden. Für Ralf war das mehr als nur ein schönes Requisit: Es war genau dasselbe Motorboot, in dem er während seiner eigenen Leistungssportzeit von seinen Trainern beim Training begleitet wurde. Plötzlich war ein Stück der eigenen Ruder-Vergangenheit wieder da.
Ratzeburg im Jahr 1960
Der Ratzeburger Ruderclub wurde mit viel Aufwand so hergerichtet, dass er perfekt in die Welt der damaligen Zeit passte: Wände wurden vergraut, Lampen in den Bootshallen getauscht, selbst die Riemenlager aus Metall wurden mit Klebefolien in Holzoptik verwandelt. Alte Boote, historische Kleidung, das Motorboot und die gesamte Atmosphäre ließen die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen.
Einertraining mit dem Schauspieler
Beeindruckend war, mit welchem Einsatz die Schauspieler versuchten, in ihre Rollen hineinzuwachsen. Noch spät an einem Abend wollte Leonard Kunz, der im Film den Schlagmann des Deutschland-Achters spielt, das Rudern im Einer üben. Kurzerhand saß Ralf im Motorboot auf dem Küchensee und gab Leo eine kleine private Ruderlektion über Blattführung, Bewegungsablauf und die wichtigsten Grundlagen im Skiff. Als bei der Vorpremiere dann die Ruderszenen von Leonard Kunz im Renneiner zu sehen waren, war klar: Die Ruderlektion war offenbar nicht ganz umsonst gewesen.

Ralf Gentz (l.) und Daniel Drege mit dem Klaus Bittner, der 1960 im Deutschland-Achter olympisches Gold holte.
Und mittendrin: ein echter Olympiasieger!
Ein besonderer Moment für uns war bei der Filmpremiere in Ratzeburg die Begegnung mit Klaus Bittner. Er war 1960 Mitglied des Deutschland-Achters, der in Rom die Goldmedaille gewann. Ihn persönlich kennenzulernen und mit ihm über diese Zeit sprechen zu können, gab dem ganzen Filmprojekt noch einmal eine ganz andere Dimension: Da stand jemand vor uns, der tatsächlich in diesem legendären Boot gesessen hatte, und trug die Goldmedaille um seinen Hals.
Titelbild und Mannschaftsfoto wurden von der Filmproduktionsfirma zur Verfügung gestellt.