Fünf Renntage. Fünf Siege. Ungeschlagen durch die Saison. Und am Ende endlich der Pokal in unseren Händen.
Was für uns selbst vor dieser Saison wohl kaum vorstellbar gewesen wäre, ist am vergangenen Wochenende in Heidelberg tatsächlich Realität geworden: Mit unserem fünften Tagessieg beim fünften Renntag der STÜBBE Ruder-Bundesliga krönen wir eine außergewöhnliche Saison und dürfen uns erstmals Ligachampion nennen.
Dabei starteten wir auch in diesen letzten Renntag mit einer gewissen Anspannung. Über die Saison hinweg hatten wir gelernt, dass die Besetzungen der anderen Boote immer für Überraschungen gut sind – und zum Saisonfinale haben sich einige Teams noch einmal mit Nationalkader-Athletinnen verstärkt. Dazu trafen wir im ersten Zeitfahren mit den Heidelberger Neckarhexen auf ein Boot, das für uns völlig unbekannt war. Als einspringendes Team gingen die Gastgeberinnen zwar nicht in die Ligawertung ein, konnten aber natürlich trotzdem Einfluss auf den Verlauf des Renntags nehmen.
Vor wunderschöner Kulisse auf dem Neckar ging es also die letzten Male in dieser Saison an die Startlinie. Strömung und zunächst Schiebewind sorgten für Bedingungen, in die wir uns erst einmal einfinden mussten. Technisch war unser erster Lauf nicht der Beste – schnell war er trotzdem: Wir konnten uns deutlich vor den Neckarnixen ins Ziel schieben und fuhren mit 1:03,56 Minuten die schnellste Zeit des ersten Zeitfahrens.
Im zweiten Lauf wartete der Erste Kieler Frauenachter auf uns. Auch dieses Rennen konnten wir souverän für uns entscheiden, erneut mit Laufbestzeit. Mit einer Gesamtzeit von 2:10,68 Minuten aus beiden Läufen sicherten wir uns den Zeitfahrsieg – diesmal in Summe 3,27 Sekunden Vorsprung auf den Amrop Ruhr-Achter Essen-Kettwig.
Der Moment, auf den wir die ganze Saison hingearbeitet hatten
Als schnellstes Team in den Zeitfahrrennen ging es für uns im Viertelfinale erneut gegen Kiel an den Start. Auf dem Papier vielleicht nur ein weiterer Lauf – für uns aber eines der bedeutendsten Rennen dieser Saison. Die Rechnung vor dem Renntag war klar: Für den sicheren Gewinn der Liga mussten wir mindestens Platz sechs der Tageswertung erreichen. Mit dem Einzug ins Halbfinale wäre uns mindestens Rang vier sicher – und damit auch der Titel des Ligachampions. Der Wind hatte inzwischen gedreht und die 350 Meter wurden von Rennen zu Rennen unangenehmer. Auch die Sonne machte den langen Renntag nicht unbedingt leichter. Trotzdem konnten wir uns erneut durchsetzen.
Und plötzlich war es geschafft. Schon mitten am Renntag stand fest: Der Pokal gehört uns. Der Alstersprinter ist Ligachampion 2026!
Die Freude im Boot und am Steg war riesig. Ein Ziel, auf das wir so lange hingearbeitet hatten, war erreicht. Aber wer uns kennt, weiß: Einfach zurücklehnen und den restlichen Renntag irgendwie zu Ende fahren, war keine Option. Denn ein Ziel war noch offen: fünf aus fünf. Ungeschlagen die Saison beenden.
Im Halbfinale trafen wir erneut auf die Heidelberger Neckarnixen. Auch diesen Lauf konnten wir souverän für uns entscheiden und damit stand fest: Wir fahren noch ein letztes Mal in dieser Saison ins A-Finale. Und irgendwie hätte es kaum anders kommen dürfen: Alstersprinter gegen Essen/Kettwig. Schon wieder. Ein letztes Finale.
Der Amrop Ruhr-Achter hatte sich zuvor in seinem Halbfinale gegen den an diesem Tag ebenfalls sehr starken Meenzer Express durchgesetzt. Damit standen sich die beiden Teams gegenüber, die sich über die gesamte Saison immer wieder knappe und harte Duelle geliefert hatten. Die Ziele waren auf beiden Seiten klar: Essen wollte sich zum Saisonabschluss unbedingt noch den Tagessieg holen. Wir wollten etwas schaffen, das zu Beginn dieser Saison wohl niemand von uns ernsthaft zu träumen gewagt hätte: ungeschlagen bleiben. Was folgte, war noch einmal genau das Duell, das diese Saison so oft geprägt hatte. Essen griff an, blieb an uns dran und schenkte uns keinen Zentimeter. Immer wieder ruderten sie Attacke um Attacke und versuchten, sich an uns heran- und vorbeizuschieben – und immer wieder gelang es uns, unser Boot noch einmal ein Stückchen nach vorne zu bewegen. Was in Berlin noch lediglich mit brachialer Gewalt funktionierte, konnten wir diesmal technisch sauberer und kontrollierter abliefern. Nach 350 sehr hart umkämpften Metern schoben wir unseren Bug schließlich mit einem Luftkasten Vorsprung über die Ziellinie. Und dann gab es kein Halten mehr.
Fünf Renntage. Fünf Goldmedaillen. Ligachampion. Ungeschlagen.
Dass wir diese Worte tatsächlich schreiben dürfen, fühlt sich noch immer ein bisschen unwirklich an. Gerade wenn wir dorthin zurückblicken, wo dieses Team noch vor wenigen Saisons stand, wird uns bewusst, was für eine Entwicklung hinter uns liegt. Aus vielen einzelnen Ruderinnen ist eine Mannschaft geworden, die sich aufeinander verlassen kann, die gemeinsam arbeitet, gemeinsam leidet und inzwischen offenbar auch ziemlich gerne gemeinsam gewinnt. Dieser Titel ist deshalb für uns viel mehr als nur das Ergebnis von fünf erfolgreichen Samstagen. Hinter diesen fünf Goldmedaillen stecken unzählige Trainingskilometer, frühe Morgenstunden auf der Alster, Kraft- und Ergoeinheiten, Rückschläge, Veränderungen und vor allem unglaublich viel gemeinsamer Einsatz – und dieser auch von Teammitgliedern, die nicht alle, oder sogar gar kein Rennen mit im Boot sitzen konnten und trotzdem so ein unendlich wichtiger Faktor für diese erfolgreiche Saison sind.

In diesem Jahr gehen beide Liga-Champion-Pokale nach Hamburg! Fotos: Ruder-Bundesliga / Jonas Mehnert
Und auch bei den Hamburger Männern gab es Grund zum Feiern: Die Sweepboys Hamburg zeigten erneut einen starken Renntag. Im Finale mussten sie sich diesmal zwar ganz knapp geschlagen geben und beendeten den Tag auf Rang zwei – den entscheidenden Pokal konnten ihnen ihre Konkurrenten aber nicht mehr nehmen. Auch die Sweepboys sind Ligachampion 2026! Herzlichen Glückwunsch! Damit gehen in diesem Jahr beide Liga-Champion-Pokale der STÜBBE Ruder-Bundesliga nach Hamburg.
Und damit nicht genug: Durch unsere ungeschlagene Saison konnten wir uns den Concept2-Preis für das erfolgreichste Team sichern und wurden dafür mit einem weiteren Pokal und einem neuen Ruderergometer belohnt. Bei der großen Siegerehrung gab es damit einiges zu feiern – und nach dieser Saison haben wir auch das ausgiebig getan.
Danke für diese Saison
Eine solche Saison entsteht nicht allein. Deshalb möchten wir zum Abschluss auch unseren Konkurrentinnen Danke sagen, die uns über fünf Renntage wirklich alles abverlangt haben. Allen voran dem Amrop Ruhr-Achter Essen-Kettwig für ein hartes und faires Sparring durch die gesamte Saison. Ihr habt uns keinen unserer Siege leicht gemacht und uns immer wieder bis zum letzten Meter gefordert. Herzlichen Glückwunsch zu einem mehr als verdienten zweiten Platz und zur Vize-Liga-Champion! Dem Meenzer Express gratulieren wir zu Platz drei in Heidelberg und in der Gesamtwertung, dem DynaSports Frauen-Achter Osnabrück zu einem stark erkämpften vierten Platz der Saison. Danke auch an den SachsenEnergie Achter Leipzig für viele spannende Rennen in einer Saison, in der ihr personell nicht immer vom Glück verfolgt wart, sowie an die Hannoveranerinnen, das E&V Team LeineMasch, für zahlreiche starke Duelle. Und dem Ersten Kieler Frauenachter gratulieren wir zu seiner ersten Saison in der STÜBBE Ruder-Bundesliga – wir freuen uns darauf zu sehen, wie ihr euch in den kommenden Jahren weiterentwickelt!
Danke außerdem an alle Veranstalterinnen und Veranstalter, Helferinnen und Helfer und Menschen hinter den Kulissen, die fünf solche Renntage überhaupt erst möglich machen. Ein riesiges Dankeschön geht natürlich an unsere Trainer Patrick Wiechens und Ortwin Höller. Danke für eure Zeit, eure Geduld, euren Einsatz und dafür, dass ihr uns über die gesamte Saison begleitet, gefordert und immer wieder ein kleines bisschen schneller gemacht habt. Ebenso bedanken wir uns bei DEXTRO ENERGY für die Unterstützung in dieser Saison. Eure Produkte haben uns durch zahlreiche Trainings- und Renntage begleitet und uns dabei unterstützt, unsere Energiespeicher für die nächsten 350 Meter immer wieder aufzufüllen. Und natürlich gilt unser Dank unseren Heimatvereinen, der Rudergesellschaft Hansa, dem Der Hamburger und Germania Ruderclub sowie dem Ruderclub Allemannia. Danke an unsere Unterstützerinnen und Unterstützer, Familienangehörige, Freunde, Fans und besonders natürlich alle, die unsere Saison durch ihre Spende bei unserem Crowdfunding erst möglich gemacht haben sowie alle, die am Streckenrand, zu Hause oder vor dem Livestream mit uns mitgefiebert und die Daumen gedrückt haben.
Und jetzt?
Jetzt heißt es für uns tatsächlich erst einmal: durchatmen. Die eine oder andere Alstersprinterin wird sich in den kommenden Wochen sicherlich noch auf die Norddeutschen Meisterschaften oder die Herbstregatta in Kettwig verirren. Für das Team endet mit Heidelberg aber eine lange und intensive Saison in der STÜBBE Ruder-Bundesliga.
Danach wartet die Winterarbeit. Denn mit diesem Titel verändert sich auch unsere Rolle: Im nächsten Jahr werden wir nicht mehr diejenigen sein, die irgendwann vielleicht einmal ganz oben stehen wollen. Wir werden diejenigen sein, die es zu schlagen gilt, die alle unbedingt besiegen wollen. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen. Wir werden weiterarbeiten, weiter gemeinsam wachsen und alles dafür geben, auch 2027 wieder dort anzuknüpfen, wo wir diese Saison aufgehört haben.
Aber heute denken wir noch nicht an 2027. Heute genießen wir erst einmal diese fünf Worte:
FÜNF RENNTAGE. FÜNF SIEGE. LIGACHAMPION.
Danke für diese unglaubliche Saison.
Euer Alstersprinter