Die U19-Weltmeisterschaft 2026 im bulgarischen Plovdiv war für mich der bisherige Höhepunkt meiner Ruderkarriere. Nach einer anstrengenden Mannschaftsbildung in Berlin mit vielen Tests hatte ich mich vor allem durch meine Fähigkeiten im Messboot für den WM-Kader als Riemen-Ersatzmann qualifiziert.
Nach der Mannschaftsbildung ging es für uns zwei Tage später auch schon wieder zurück nach Berlin, um die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft mit einer dreieinhalbwöchigen unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV) zu starten. Bereits nach etwa einer Woche änderte sich meine Situation: Da sich ein Sportler verletzte, rückte ich in den Achter. Dadurch wurde aus der Vorbereitung als Ersatzmann plötzlich die Vorbereitung auf meine erste U19-Weltmeisterschaft im Achter.
Die Zeit in Berlin war sehr hart, da unser Wecker jeden Tag vor 6 Uhr klingelte und wir mehrere Einheiten pro Tag hatten. Gleichzeitig hat sie aber auch sehr viel Spaß gemacht. Gemeinsam mit unserem Trainer Yannick Burg von der Fari, den anderen sieben Ruderern und unserer Steuerfrau wuchsen wir als Mannschaft immer weiter zusammen. Neben dem Training waren vor allem die gemeinsame Zeit und die gute Stimmung mit allen Sportlern und Trainern etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
Eine Woche vor dem Finale Anfang August reisten wir dann nach Plovdiv. Dort waren wir im Radisson Hotel untergebracht, das uns mit seiner Ausstattung und vor allem ausgezeichnetem Essen sehr gute Bedingungen bot. Auch in Plovdiv trainierten wir an den Tagen ohne Rennen noch relativ viel und bereiteten uns gezielt auf den Wettkampf vor.
Unser erster Renntag war der Vorlauf am Donnerstag. Dort konnten wir uns souverän durchsetzen und gewannen unser Rennen vor Rumänien. Dadurch gingen wir mit einem guten Gefühl und viel Selbstvertrauen ins Finale.
Am Sonntag stand dann das große Finale an. Wir wussten, dass es sehr eng werden würde, und hatten uns fest vorgenommen, mindestens eine Medaille zu gewinnen. Genau mit diesem Ziel gingen wir das Rennen auch an. Lange lagen wir gleichauf mit Großbritannien, bis uns das Team etwa ab der Streckenhälfte langsam abhängte. Nun hieß es, weiter die USA hinter uns zu halten, die auf der zweiten Streckenhälfte immer schneller wurden. Nach einem starken Endspurt der US-Amerikaner mussten wir uns schließlich mit Bronze zufriedengeben, nur 0,76 Sekunden hinter ihnen.
Trotzdem war die Freude über die Medaille im Nachhinein riesig. Für mich persönlich war es etwas ganz Besonderes, innerhalb weniger Wochen vom Ersatzmann zum WM-Medaillengewinner im U19-Deutschlandachter zu werden.
Wenn ich auf die Weltmeisterschaft zurückblicke, denke ich deshalb nicht nur an das Ergebnis, sondern vor allem an die gemeinsame Zeit mit dem gesamten deutschen Team. Die intensive Vorbereitung, das Training, die Reise nach Plovdiv und natürlich das Finale haben die WM zu einer Erfahrung gemacht, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Foto: DRV