Im Februar war es wieder so weit: Wie im Vorjahr durfte ich – jetzt als Kadermitglied – mit der A-Nationalmannschaft ins Trainingslager an den portugiesischen Lago Azul fahren. Dieses Mal waren wir nur mit dem Frauenteam unterwegs und der Fokus lag auf der Zweierbildung für die Kleinbootmeisterschaft im April. Im Dezember 2025 hatten wir dort bereits für zwei Wochen mit dem gesamten Team, also auch mit den Männern (Riemen und Skull), trainiert. Dabei lag das Augenmerk noch auf den Groß- und Mittelbooten, sodass sich das gesamte Team, vor allem Aufsteiger und Aufsteigerinnen wie ich, an die gemeinsame Ruderidee annähern konnten. Jeder Trainer hat schließlich für den Ruderschlag seine eigene Idee, mit der man sich erst einmal vertraut machen muss. So musste ich mich zum Beispiel beim Großbootfahren zunächst an die sehr flüssige – also für mich anfangs gefühlt „zu schnelle“ – hintere Umkehr gewöhnen.

Der Zweierbildung geschuldet gab es dieses Trainingslager keine „HIIT-Woche“ (High Intensity Intervals Training), wie es die neue Trainingsphilosophie des DRV, das polarisierte Training, es eigentlich vorschreibt. Normalerweise haben wir jetzt, je nach Planung, zwei bis vier „Umfangswochen“ mit sehr vielen „LIT-Einheiten“ (Low Intensity Training), in denen wir jeweils ein bis zwei Belastungen fahren. Diese Wochen zeichnen sich dadurch aus, dass man sehr viele Minuten macht, allerdings in ganz niedrigen Intensitäten und nur nach Puls gesteuert. So sind Ausdauereinheiten, die 120 oder mehr Minuten dauern, mittlerweile täglich auf dem Plan. Dann gibt es aber alle paar Wochen eine sogenannte „HIIT-Woche“, in der meist vier bis acht Belastungen in einer Woche gefahren werden und das restliche Training heruntergeschraubt wird. Das Neue an diesen Belastungen ist, dass sie eigentlich kaum mehr schlagzahlbegrenzt gefahren werden, sondern meistens auf Rennfrequenz oder schneller. Dies wird möglich durch sehr viele kürzere, aber schnell hintereinander folgende Intervalle. Typisch wäre zum Beispiel: 3 x 9 x 40 Sekunden Rudern/ 20 Sekunden Pause, mit 2 bis 3 Minuten Satzpause oder in der Variante 5 x 5 Minuten. All diese Belastungen sollen so gefahren werden, dass man sie einigermaßen gleichmäßig bis zum letzten Intervall durchbekommt.

Durch die anstehende Zweierbildung hatten wir im Trainingslager jedoch wieder den altbekannten Drei-Tage-Rhythmus, das heißt, wir sind jeden dritten Tag Strecken in anderen Zweierkombinationen gefahren. Dabei sind wir dann im Wechsel 2 x 1500 Meter oder 5 x 1500 mit 2 bis 5 Minuten Pause gefahren, als Annäherung an die 5 x 5 Minuten. Bei diesen kurzen Pausen zwischen den Strecken wird die kontinuierliche Steigerung der VO2-Max (maximale Sauerstoffaufnahme) getriggert.

Da wir mit 15 Riemerinnen an den Lago Azul gereist sind, ist in jeder Trainingseinheit jemand im Einer gelandet und es musste auch immer wieder umgegriffen werden. So hat meine jetzige Zweierpartnerin Tabea Kuhnert auch für mich die Seite auf Backbord gewechselt. Trotzdem standen am Ende des Trainingslagers und trotz der vielen Belastungen in den verschiedenen Besetzungen und etlichen Messbootauswertungen noch nicht viele Zweier fest. Da ich als eine der wenigen A-Sportlerinnen noch nicht in Berlin am Stützpunkt wohne, wurde mein Zweier glücklicherweise gegen Ende des Trainingslagers festgelegt. Die weiteren Kombis wurden in Berlin in den Wochen vor der Langstreckenregatta in Leipzig festgelegt, aber die endgültigen Besetzungen für die Kleinbootmeisterschaft in München stehen auch jetzt, zwei Wochen vorher, noch nicht für alle fest.

Eine Neuheit in der Trainingsstruktur des DRV sind die „Mixed-Einheiten“ mit Disziplinwechseln. So sind wir alle paar Tage komplett andere Boote gefahren. Ich bin zum Beispiel häufig Doppelvierer, Vierer-Ohne oder Achter in komplett gemischten Besetzungen, also Riemen/ Skull und Männer/ Frauen (bereits im Dezember) gefahren. Neben dem Rudern haben wir hin und wieder sehr schöne Radtouren, sowohl mit Rennrädern als auch mit Mountainbikes, unternommen.

Da wir im Trainingslager nur Wasserbelastungen gefahren sind, standen in der folgenden HIIT-Woche in der Heimat noch mehr als genug Ergo-Strecken auf dem Trainingsplan. Sie fühlten sich teilweise noch anstrengender an als ein Ergo-Test. So konnten wir gut vorbereitet zur Langstreckenregatta und vor allem zum Ergo-Test in Leipzig anreisen. Als nächstes steht die Kleinbootmeisterschaft in München Ende April an, nach der die Bootsbildung der A-Nationalmannschaft abgeschlossen wird. Dafür zählt die Platzierung in München, der Ergo-Wert, der daraus resultierende P-Index und die Trainermeinung zusammen. Die nächsten Wochen werden also noch sehr entscheidend und interessant werden!


Titelbild: Lisa Behrens und Tabea Kuhnert