Wir haben es geschafft. Einige haben es vielleicht schon mitbekommen: Der Club ist erfolgreich in die Ruder-Bundesliga-Saison 2026 gestartet. Neben dem etablierten Alstersprinter-Team sind jetzt die Männer nachgezogen und haben ganz oben beim deutschen Sprintrudern angeklopft. Nach zwei Renntagen steht Hamburg mit maximaler Punktausbeute souverän auf Platz 1 der STÜBBE Ruderbundesliga.

Meine Generation hat durch den Leistungssport im Club den klaren Anspruch ans Gewinnen eingeimpft bekommen. Darüber freue ich mich sehr, da er mich immer wieder an meine Grenzen und darüber hinausgetragen hat. Umso mehr hat es mich geschmerzt, dass es nach dem Aus im Leistungssport nur wenig Angebote für ambitionierte Sportler/Steuerleute im Rudern gab.

Als dann 2020 ein RBL-Boot gemeinsam mit der Fari starten sollte, war ich schnell begeistert von der Idee. Doch es stellte sich heraus, dass man fast wieder bei null anfangen musste. Jetzt lernte ich die jugendliche Freiheit aus meinen Teenagerjahren zu schätzen: „Wieso beschweren sich die Älteren immer, dass man keine Zeit mehr hat? Einer fehlt noch, um den Achter vollzumachen? Ich ruf kurz Rami an, der ist in 10 Minuten da …“

Um bei der RBL gut abzuschneiden, muss man regelmäßig (zwei- bis dreimal pro Woche) im Achter trainieren. Acht Ruderer plus eine Steuerperson. Also neun Leute. „Das kann ja wohl nicht so schwer sein, neun junge Ruderer in Hamburg zu finden, die Lust auf schnelles Rudern haben, zwei- bis dreimal die Woche. Oh Mann, es fehlt wieder einer. Müssen wir wohl im Vierer raus oder aufs Ergo.“ Wie schaffen das die Altherren, immer stur um 6 Uhr morgens, jede Woche am gleichen Tag? Wir haben doch Smartphones, WhatsApp-Gruppen, Abstimmungen. „Nee, nicht noch ne neue Gruppe.“

Puh.

Nach fünf Jahren gescheiterter Anläufe, bei denen sich nur selten die eigentliche Klasse durchblicken ließ, wurde das Projekt beendet.

2025 war es ruhig auf der Alster. Doch uns juckte es unter den Fingern. Wir wollen unbedingt beweisen, dass hinter unserer großen Klappe mehr steckt. Gegen Ende des Jahres treffen wir uns in großer Runde in der Allemannia. Und dieses Mal starten wir nicht bei null. Wir sind erwachsener geworden, haben schon große Projekte (siehe Henley 2024) geschafft und wissen, was es braucht, um erfolgreich zu rudern. Wir setzen uns das klare Ziel, die RBL zu gewinnen. Es herrscht ein klares Leistungsprinzip. Disziplin ist wichtig. Jeder muss Verantwortung übernehmen. So starten wir in die Saison mit einem Dreigespann aus dem Club: Marc Kammann auf Schlag, Rami Tafeche im Maschinenraum und ich, Hans Espig, als Steuermann.

Auch wenn es am Anfang noch die Klassiker gab, wie „bin zehn Minuten zu spät“ – am Sonntagmorgen um 9:00 Uhr –, merkte man doch, dass jetzt ein anderer Wind wehte. Wir haben echt ein starkes Team. Viele gute Jungs, auf die wir uns verlassen können. Ein klares Konzept für die Finanzierung und engagierte Mitglieder, die Sponsoren an Land holen. Wir trainieren bei Wind und Welle und diskutieren nicht (mehr so viel).

In Berlin starten wir ins Zeitfahren und ich muss schmunzeln. Ich schaue Marc in die Augen und merke, er ist gut angespannt und offensichtlich etwas nervös. Als Anführer des Deutschlandachters trug er schon Gefechte aus mit den stärksten Athleten, die der Rudersport zu bieten hat, und jetzt nimmt er sich viel vor für ein Rennen in der Amateurliga? Ich finde das so stark und gebe dieses Gefühl an die Mannschaft weiter. Wir fliegen Richtung Ziel und sind das schnellste Boot. Danach sind wir nicht mehr aufzuhalten. Nicht von unserem Erzrivalen Mülheim. Nicht von den immer starken Frankfurtern. Fazit: Berlin Platz 1. Wir haben es nicht „verhamburgt“ – ein Begriff, der sich in der RBL nach häufigem Scheitern in der Favoritenrolle etabliert hatte.

Am zweiten Renntag wollten wir noch einen obendrauf setzen. Dieses Mal zusätzlich mit Hugo Thomas im Boot. In Hannover fand parallel zur Ruder-Bundesliga Deutschlands größtes Amateursportevent „Die Finals“ statt, und wir waren dabei. Wir traten gegen die Deutschlandachter Team 1 und Team 2 an bei diesem Event, das inoffiziell die „deutsche Meisterschaften“ im Rudern war. Viele von uns hatten mit dem DRV noch ein Hühnchen zu rupfen und wollten den Jungs ordentlich einheizen. Was dann passierte, hätte aber, denke ich, niemand für möglich gehalten:

Wir liegen beim Zeitfahren direkt neben dem Deutschlandachter Team 1, zu meiner Rechten. Ich war seit dem U19-WM-Finale in Rio nicht mehr so aufgeregt gewesen wie in diesem Moment. Ich wusste, wir können hier etwas bewegen. Es bis zum Ende spannend machen. Mein Herz springt mir fast aus der Brust, als der Schiedsrichter die Startzeremonie beginnt:
„Achtung! … 1…2…3…4…5…6 Los!“

Das Boot zieht mich mit einer unglaublichen Intensität nach vorne. Mein ganzer Körper angespannt, mein Kopf rast. Unsere Abläufe, unser Rhythmus, unser Schlag. Ich habe alles parat und die Mannschaft spult es ab. Wir liegen vorne, aber aufgrund der verschobenen Startlinie weiß keiner, wo man wirklich liegt. Also einfach Vollgas bis ins Ziel. Wir sind durch und wissen: Es war knapp. Aber wie knapp? Wir fahren uns kurz aus und legen an. Am Steg kommen unsere Ersatzleute auf uns zu gerannt und rufen: „Ihr seid Erster!“ – „Nein!“ – „Doch!“. Drei Hundertstel Sekunden vor dem Deutschlandachter.

Wir haben uns den Bahnvorteil in jedem Rennen verdient. Im Halbfinale treffen wir auf das Team 2 vom Deutschlandachter. Wir müssen unter die ersten 2, um ins Finale zu kommen. Und wir gewinnen auch das Halbfinale!? Jetzt geht auf einmal alles.

Im Finale:
Bahn 1 – Deutschlandachter Team 2
Bahn 2 – Sweepboys Hamburg (wir)
Bahn 3 – Deutschlandachter Team 1
Bahn 4 – Germania Achter Frankfurt

Wir nehmen nochmal all unseren Mut zusammen, werfen alles in die Waagschale, und am Ende kommt ein unglaublicher Platz 2 dabei heraus. Drei Zehntelsekunden hinter Team 1, aber vor Team 2. Wir sind „Vizemeister“ bei den Finals und Tagessieger der Ruderbundesliga zugleich.

Diesen traumhaften Tag bei bestem Ruderwetter auf dem Maschsee, live in der Sportschau und im ZDF, vor tausenden Zuschauern, Freunden und Familie werde ich noch lange bei mir behalten.

Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von allen, die an uns glauben, unsere Beiträge mitverfolgen und den Club leben. Wir trainieren dienstags und donnerstags um 19:00 Uhr sowie sonntags um 9:00 Uhr auf der Alster und ziehen öfters am Club vorbei. Wir freuen uns, Euch zu sehen!

Es bleiben noch drei Renntage, in Osnabrück (22.08.), Essen (05.09.) und Heidelberg (19.09).

Foto: Leon Evers