DJM Köln - ein Rückblick












DJM Köln - 8x Gold, 3x Silber und 3x Bronze - Goldener Sonntag für die Club-Junioren auf dem Fühlinger See, Marc Kammann und Hans Espig fahren nach Rio zur Junioren WM  

von: Jan Suhrhoff
 

17 Medaillen hatten wir 2014 in Brandenburg auf dem Beetzsee gewinnen können. Was soll da also noch kommen, fragte ich mich im Vorfeld der diesjährigen Meisterschaft auf dem Fühlinger See. Von der Anzahl der Medaillen wurden es nicht ganz so viele, aber unsere Junioren legten auf meiner Lieblingsstrecke ein Ergebnis hin, das besser kaum hätte sein können.  
 

Im U23-Bereich sah es dieses Jahr mehr als mau aus. Ruben Steinhardt musste die Saison früh beenden, da ihm andauernde Rückenprobleme einen Strich durch die Saisonplanung machten. Ferdinand Heinrich hatte die WM-Qualifikation bei der Regatta in Ratzeburg verpasst, und es ging für ihn hier nur noch um einen versöhnlichen Saisonabschluss. Mit einem fünften Platz im Einer und der Bronzemedaille im Doppelvierer konnte ihm das ein Stück weit gelingen. Berk Nergiz konnte im Leichtgewichts-Einer ebenfalls nicht an den Start gehen, da ihn kurz vor der Abfahrt zur Meisterschaft ebenfalls Rückenschmerzen heimsuchten. Woher die Schmerzen kamen, ist völlig unklar geblieben.  
 

Also mussten die Junioren die Eisen aus dem Feuer reißen. Im Leichtgewichtsachter wussten wir, dass drei Senioren-Boote an den Start gehen würden. Warum die Älteren nicht mal etwas ärgern? Schon im Bahnverteilungsrennen war klar, dass wir am Samstag im Finale unsere Chance bekommen sollten und bis 1000  m lagen wir sogar einen Luftkasten hinter dem zweitplatzierten Achter von Steuermann Hans, der am Ende auch Silber gewann. Im Ziel war es dann eine klare Bronzemedaille, über die wir uns richtig gefreut haben. Wann gewinnt man als Junior schon mal eine Medaille auf dem Eichkranz? 
 

Die A-Junioren - die ich dieses Jahr in der direkten Betreuung hatte - hatten sich einiges vorgenommen. Für die leichten Sportler des älteren Jahrgangs Eric Paul, Sven Eric-Berger und Jonas Ningelgen von der Allemannia, der dieses Jahr bei uns in der Trainingsgruppe mittrainierte, sollte es unbedingt jeweils zwei Mal Gold werden. Alles andere wäre tatsächlich eine Enttäuschung gewesen für die Jungs.  
 

Für Eric war Titelverteidigung Nummer Zwei im leichten Einer keine so sichere Sache. Hatten wir doch in München im gesetzten Lauf ordentlich eins auf den Deckel bekommen von einem Sportler aus Regensburg, den wir schon seit dem B-Bereich kannten. Wie sich dann in Köln herausstellte, hatte dieser aber Gewichtsprobleme und konnte nur im schweren Bereich an den Start gehen. Im Finale lagen dann zwei Clubsportler als Sieger der Halbfinals auf den Mittelbahnen. Der Regattasprecher betitelte mich als irrationalsten Trainer Deutschlands, dass ich keinen Doppelzweier fahren würde, aber der hatte im Gegensatz zu den Einern zuvor überhaupt nicht funktioniert. Für Eric war es eine beängstigend klare Sache vorne. Mit mehreren Längen holte er sein drittes Gold in Folge in dieser Bootsklasse. Lasse kämpfte um Silber mit der leicht vom Wind bevorteilten Außenbahn. Am Ende musste er sich mit einer halben Länge knapp geschlagen geben. Aber was für ein Erfolg nach dem frustrierenden vierten Platz im letzten Jahr im Einer.

Sven-Eric und Partner Jonas hatten im Leichtgewichts-Zweier-ohne mit einem Boot aus Essen einen ernstzunehmenden Mitkonkurrenten um Gold. Fünf Wochen zuvor im ersten Aufeinandertreffen gab es auch eine Niederlage, weil wir uns überraschen ließen am Start. In den letzten Wochen hatten die beiden immer besser an der Startphase und den ersten 500 Metern gearbeitet, und so wurde zu keiner Zeit im Finale in Frage gestellt, wer sich die Goldmedaille um den Hals hängen wird. Auch Sven-Eric konnte damit seinen Titel in dieser Bootsklasse verteidigen.  


Im Achter waren die vier Hamburger Jungs dann, beflügelt von den bisherigen Erfolgen, nicht mehr zu bremsen. Zusammen mit der siegreichen Crew im leichten Vierer-ohne aus Berlin, mit der am Samstag schon Bronze bei den Senioren geholt wurde, wurde das Achterfeld gerockt. Mit zwei Achterlängen Vorsprung holten sich die Jungs auch hier die Goldmedaille.  
 

Für unsere „Dicken“ Marc Kammann und seinen Zweierpartner Friedrich Dunkel vom ARV Hanseat, der dieses Jahr ebenfalls bei uns in der Trainingsgruppe mittrainierte, bestand das oberste Ziel aus der Junioren-WM-Qualifikation. In Hamburg bei der Rangliste hatten die beiden mit Platz 6 den Grundstein gelegt, und jetzt mussten bei der Meisterschaft die Favoriten die Klein- und Mittelboote gewinnen, damit für uns der Weg in den Achter frei wurde. Zusätzlich mussten wir unsere Leistungsfähigkeit im Vierer-ohne und im Achter beweisen. Im Vierer-ohne hatten wir mit zwei Sportlern aus Magdeburg eine frisch zusammengesetzte Kombination an den Start gebracht. Es blieben nur fünf Tage in Hamburg, um das Boot einzuüben. Leider konnten die vier Jungs im Rennen nicht ganz das abrufen, was man im Training schon gezeigt hatte. So hatten wir keine Chance, den Seriensieger aus NRW ernsthaft zu gefährden. Lange Zeit lagen wir sogar nur auf dem Bronzerang, konnten das Ruder aber im letzten Moment noch rumreißen und an unseren Nachbarn, einer Renngemeinschaft aus Fari und Lübeck, vorbei auf Silber spurten. Im selben Rennen waren auch Fiete Kolk und Niklas Hauser in einer Hamburger Nachwuchskombination zusammen mit Sportlern von der Fari und der Allemannia am Start. Nach einer durchwachsenen Frühsaison legten die Jungs mit Platz 5 und dem Sieg über die interne Konkurrenz aus Hamburg einen guten Saisonabschluss hin.  
 

Im Achter machten Marc und Friedrich es ebenfalls spannend. Eigentlich war der erste Nordost-Achter mit vier Sportlern aus Hamburg, zwei Berlinern und unseren Vierpartnern aus Magdeburg, sowie Steuermann Hans Espig klarer Favorit. Aber ein Wiederholungsrennen für die beiden Berliner Schlagleute, die nun nach dem Achter noch einmal ran mussten, brachte alles aus dem Plan. Mit angezogener Handbremse fand man sich nach 1500 Metern auf Rang Zwei wieder, doch Hans fand die richtigen Worte zum Umlegen der Schalter. Mit einem 500m dauernden Endspurt schob sich unser Achter noch einmal am NRW Boot vorbei und holte sich die Goldmedaille. Für Marc,Friedrich und Hans kam am Ende des Tages dann noch der erhoffte Ausruf, doch zur Nominierungskommission zu kommen. Jetzt, wo auch die Mannschaftsbildung in Berlin abgeschlossen ist, steht fest: Marc und Friedrich konnten sich durchsetzen und werden in Rio im Achter an den Start gehen. Hans wird den Vierer-mit steuern.  
 

Kommen wir zu unseren B-Junioren - in diesem Jahr von Co-Trainer Matti Saborowsky trainiert und auf die Meisterschaft vorbereitet. Matti gelang es in seiner ersten Saison gleich auf Anhieb, die ersten Medaillen zu gewinnen.  
 

Für zwei unserer Bs war es keine schöne Meisterschaft. Ansgar Kolbe erkrankte kurz vor der Abfahrt nach Köln, und so musste ich den Zweier-ohne mit Rami Tafeche abmelden. Besonders bitter: Die beiden hatten realistische Chancen auf eine Medaille. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs trotzdem motiviert für die Zukunft bleiben. 
 

Für Ole Arriens war es im Vierer-ohne eine perfekte Saison. Kein Rennen verloren, und auch im Meisterschaftsrennen konnte das NRW-Boot uns nicht gefährden. Das verdiente Gold für Ole nach der Silbermedaille im letzten Jahr in dieser Bootsklasse. Im Achter gab es für den Hamburger Achter um Ole ja schon bei der Juniorenregatta in Hamburg die erste Niederlage, und der NRW-Achter zeigte uns, dass mit ihnen zu rechnen ist. Im Finale hatten wir dann das Nachsehen. Im Endspurt noch abgefangen und mit 16 Hundertstel auf den Silberrang verdrängt. Leider hatten unsere physisch starken Sportler Ansgar und Rami nie die Gelegenheit zu zeigen, dass mit Ihnen der Achter schneller gewesen wäre. Vielleicht ist das verlorene Gold ja Anlass, die Nominierungsrichtlinien so zu überarbeiten, dass auch beim Frühtest erkrankte Sportler noch eine Chance bekommen.  
 

Auf Grund der Frühtest-Ergebnisse gingen Anna und Julia Ferreira Becker nicht zusammen im Doppelzweier an den Start, sondern jeweils mit einer Sportlerin von der RG Hansa. Julia konnte sich zusammen mit Marjella Ernst die ganze Saison über als Meisterschaftsfavorit behaupten. Jedes Rennen wurde knapp gegen die Mitfavoriten aus Berlin gewonnen. Annas Saison war durchwachsener. Immer wieder setzten uns Krankheitsausfälle außer Gefecht, so dass sie zusammen mit Annika Reimers nur sehr wenige Saisonrennen bestreiten konnte.  
 

Beide Boote konnten sich bei der Meisterschaft aber sicher für das Finale qualifizieren. Während Julia im Endspurt knapp die Führung gegen die bekannten Berliner verteidigen konnte und Gold holte, konnte Julia den 5. Platz errudern, was nach der Achterbahnsaison aber ein versöhnliches Ergebnis ist.  


Für den leichten gesteuerten B-Doppelvierer war es auch eine sehr durchwachsene Saison. Zum einen fehlte dieses Jahr die Physis im Boot - nur Malte Rietdorf vom Club erfüllte die Ergo-Zielzeit -  zum anderen standen eine Menge gesundheitliche Ausfälle auf der Liste, so dass viele Rennen nicht mit Hundert Prozent gefahren werden konnten. Das Boot mit Malte, Jan Viercke und Ruderern von Wandsbek und der Fari hatte im Halbfinale die erste Mammutaufgabe zu bewältigen. Drei Medaillenkandidaten und wir kämpften um den Finaleinzug. Die Jungs fuhren bei starkem Schiebewind ihr bestes Saisonrennen und konnten das Boot aus Hannover, was als Kandidat für Gold gehandelt wurde, in einem fulminanten Endspurt ins B-Finale schicken. Im Finale herrschten dann Gegenwindbedingungen - bei unserer Physis nicht unbedingt unsere Stärke - , und so setzten sich physisch starke Ruderer wie das Schleswig-Holsteiner Boot durch, was wir in der Saison fast immer geschlagen hatten. Für uns blieb nur ein fünfter Platz, auch wenn Bronze über zwei Drittel der Strecke greifbar nah erschien.  
 

Schlagmann Malte fuhr neben dem Vierer auch noch den leichten Einer. Bis auf das Samstagsrennen in Hamburg, wo er an seinem Geburtstag ein bisschen nervös war und alles besonders gut machen wollte und sich schließlich von einem unbekannten Sportler überraschen ließ, konnte er jedes Rennen in der Saison klar gewinnen.  Auch bei der Meisterschaft konnte ihn niemand ernsthaft gefährden, und so setzte er die über die letzten Jahre entstandene Tradition der erfolgreichen leichten Einerfahrer fort. Mit der Goldmedaille belohnt er sich selber für seinen Trainingsfleiß.  
 

Was nehmen wir mit aus Köln? Auch ohne Bootshaus kann man schnell rudern, auch wenn alles aufwändiger ist. Nach einem sehr guten Jahr kann es erfolgreich weiter gehen und muss nicht schlechter werden. Und schlussendlich: Der Fokus in den nächsten Jahren muss wieder sein, mehr erfolgreiche Junioren im Männerbereich zu etablieren. Wir hoffen, dass das 2016 mit Eric, Sven-Eric und Marc gelingen wird.  

 

Die Erfolge in der Übersicht:  


U23 DM: 

Silber im Leichtgewichts-Achter für Steuermann Hans Espig 

Bronze im Leichtgewichts-Achter für Eric Paul, Sven-Eric Berger und Lasse Palm  

Bronze im Doppelvierer für Ferdinand Heinrich 

5. Platz im Einer für Ferdinand Heinrich 

 

U19 DM: 

Gold im Achter für Marc Kammann (WM Qualifikation) und Steuermann Hans Espig  

Gold im Vierer-mit für Steuermann Hans Espig (WM Qualifikation) 

Gold im Leichtgewichts-Zweier-ohne für Sven-Eric Berger 

Gold im Leichtgewichts-Einer für Eric Paul 

Gold im Leichtgewichts-Achter für Eric Paul, Sven-Eric Berger und Lasse Palm  

Silber im Vierer-ohne für Marc Kammann  

Bronze im Leichtgewichts-Einer für Lasse Palm 

5. Platz im Vierer-ohne für Niklas Hauser und Fiete Kolk 

 

U17 DM: 

Gold im Vierer-ohne für Ole Arriens 

Gold im Leichtgewichts-Doppelzweier für Julia Ferreira Becker 

Gold im Leichtgewichts-Einer für Malte Rietdorf 

Silber im Achter für Ole Arriens 

5. Platz im Leichtgewichts-Doppelvierer für Malte Rietdorf und Jan Viercke 

5. Platz im Leichtgewichts-Doppelzweier für Anna Ferreira Becker


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